10 Fragen an Sven Demandt

Die Rubrik „10 Fragen an…“ war eigentlich schon letzte Saison mit Jan Siewert geplant, aber aus bekannten Gründen ist es dazu nicht mehr gekommen. RWE-Coach Sven Demandt war nun so freundlich, mir 10 Fragen – teils abseits des üblichen Geplänkels – zu beantworten.


Coach Demandt, Sie waren zu Ihrer aktiven Zeit jemand, den man heute – durchaus nostalgisch gesinnt – als klassischen 9er bezeichnen könnte. Ein Mittelstürmer der alten Schule quasi. Mir geht etwas der Kaffee auf, wenn ich zum Beispiel jemanden wie Mario Götze vorne im Sturmzentrum agieren sehe, als falsche 9, oder wie immer man das auch bezeichnet. Ganz ehrlich, ich bin ein großer Fan des echten 9ers, und mir wird dieser Spielertyp schon seit geraumer Zeit zu wenig gepflegt. Viele Trainer verzichten mittlerweile ganz auf einen klassischen Mittelstürmer. Ihre Meinung?

Eigentlich war ich jetzt nicht der typische Mittelstürmer. Ich bin zwar groß, war aber ehrlicherweise nicht besonders kopfballstark. Ich war eher ein Mittelstürmer im Sinne von Tore machen und im Sechzehner auf die Chance warten. Unabhängig davon glaube ich als Trainer aber nach wie vor an Mittelstürmer. Klar, wenn ich einen Messi habe, kann es auch ohne funktionieren, aber eigentlich glaube ich, dass man einen echten Stürmer in der Mannschaft braucht. Ich werde mich jedenfalls immer darum bemühen, einen solchen Spielertypen in der Mannschaft zu haben.

Helene Fischer|Andrea Berg oder Rolling Stones|AC/DC? Ich tippe mal auf Letztgenannte.

Beides kann zu gewissen Situationen passen. Allerdings höre ich eher Soul.

Ihr Spitzname aus aktiven Zeiten lautet „The Fridge“, was man etwas unelegant mit Kühlschrank übersetzen muss. Wäre nicht „Iceman“, wie der Typ aus Top Gun, wesentlich cooler?

Man kann sich ja gegen seinen Spitznamen nur schwer wehren. Nach der Plakataktion damals bin ich da dann auch nicht mehr rausgekommen, hatte also keine Wahl.

Es ist auffällig, dass die Mannschaft in dieser Saison eine ganz andere Mentalität zeigt, als in weiten Teilen der letzten Spielzeit. Auch wenn die Summe der Ergebnisse noch nicht so ganz zufriedenstellend ist, an Kampf, Wille und Einsatz gibt es eigentlich nichts zu meckern. Muss man als Trainer machmal doch mehr Pädagoge als „nur“ Übungsleiter sein?

Erstmal finde ich es positiv, wenn in unserem Spiel Kampf, Wille und Einsatz aufgefallen sind, denn das ist auch unser Anspruch. Die Leute sollen genau diesen Eindruck von unserem Spiel haben. Letztendlich muss man als Trainer sowohl Pädagoge als auch Übungsleiter sein. Eines ohne das Andere wird nicht funktionieren.

Ein Nachschlag zur vorherigen Frage: Was ist schwerer – einer Mannschaft das taktische Rüstzeug mit auf den Weg zu geben, oder mentale Stärke?

Taktisches Rüstzeug ist einfacher, glaube ich. Aber auch hier ist beides nötig. Mentale Stärke kann man zwar auch als Trainer vermitteln, am wirkungsvollsten sind da aber Ergebnisse. Und da sind wir aktuell auf einem gutem Weg.

So rein optisch – Britney Spears, Sandra Bullock oder Beyoncé?

Wenn dann schon eher Beyoncé.

Ich glaube, die meisten von uns Fans haben wirklich keine Ahnung, wie arbeitsaufwendig und zeitintensiv so ein Trainerjob sein kann. Mal Hand aufs Herz – inklusive Spielvorbereitung, Training, Spiel, Spielbeobachtung, Scouting etc. pp, wieviel Stunden sind Sie in der Woche für den Verein tätig, in einer laufenden Saison?

Das ist ganz schwer abzuschätzen, weil es eigentlich nie wirklich aufhört. Auch, wenn man zuhause oder auf dem Weg zum Spiel oder Training ist, macht man sich Gedanken über den Verein, über Gegner, Spieler, Inhalte und und und. Am Wochenende bin ich außerdem in der Regel immer unterwegs, weil ich jemand bin, der den nächsten Gegner vorher gerne selbst sieht. Aber letztendlich ist das auch egal, weil das nicht nur ein Job ist, sondern mir auch enorm viel Spaß macht.

Die obligatorische Frage – welche drei Dinge kommen mit auf die einsame Insel?

Schwierig… ich sage mal meine Frau, einen Fernseher – auch wenn das auf einer einsamen Insel schwierig werden könnte – und einen Ball.

In welcher Liga wird sich Rot-Weiss Essen in exakt drei Jahren befinden? Sie müssen darauf nicht konkret antworten, es reicht auch eine vorsichtige Schätzung.

Wir haben ja das Projekt „Zusammen Hoch 3“ gestartet und es wäre schön, wenn wir es tatsächlich hinbekommen würden, die 4. Liga zu verlassen. Das ist ja unter anderem aufgrund der Aufstiegsregelung enorm schwierig. Sollte uns das gelingen, dann hätten wir enorm viel erreicht.

Hier ist Raum für Sie für eine Frage, die Ihnen noch nie gestellt wurde, die Sie sich aber wünschen. Natürlich müssen Sie sie auch beantworten.

Im Laufe der Jahre sind mir gefühlt schon alle Fragen gestellt worden.

Das dachte ich mir, wahrscheinlich geht es selbst José Mourinho nicht anders. Danke für Ihre Zeit und viel Erfolg am Wochenende. Und auf einen positiven Saisonverlauf.

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2 Gedanken zu “10 Fragen an Sven Demandt

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