Keiner mag mich, scheißegal

Laut einer Studie der TU Braunschweig – ich glaube, die sind so gelangweilt und machen das jedes Jahr – ist der Ballsportverein Borussia aus Dortmund der beliebteste Verein in Deutschland. Oder, wie es etwas verquastet im Originaltext heißt – der BVB verteidigt erfolgreich den Titel des Markenmeisters. Wow! Glückwunsch.

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Jetzt muss man natürlich sagen, dass es per se nicht schlecht ist, wenn man beliebt ist. Es hat Vorteile. Beim Stammitaliener geht der Grappa nach dem Essen immer aufs Haus, der immergleiche Zugkontrolleur besteht nicht mehr darauf, dass ich ihm mein Ticket zeige, beim Bäcker seines Vertrauens bekommt man nicht die beschmierten Brötchen, die schon seit Stunden in der Auslage liegen. Sonden frische. Gerade bei Mettbrötchen ist das sehr wichtig. Zwiebelmett ist ziemlich schnell um, wenn es nicht gut gekühlt wird. Oder wenn die Kühlkette unterbrochen wird. Fällt mir gerade so ein, da es heute sehr warm ist.

Auch kann ich – um jetzt in den Bereich Fußball abzudriften – mit Aussagen wie Euer Hass ist unser Stolz! (gerne von Bayern-Fans verwendet) so rein gar nichts anfangen. Ich meine, wie bescheuert muss ich sein, um stolz auf den Hass anderer Menschen zu sein. Den würde ich kalt lächelnd zur Kenntnis nehmen, mehr nicht. Das Leben ist zu kurz, um sich mit doofen Phrasen zu beschäftigen.

Nur, möchte ich wirklich, dass mein Fußballverein, dass Rot-Weiss Essen bundesweit supi-dupi beliebt ist? Dass sich vielleicht eine 32-jährige Hausfrau aus Hoyerswerda RWE-Bettwäsche kauft, nur weil wir gerade trendy sind und den SWAG aufdrehen? Okay, das ist jetzt nur ein Gedankenspiel. RWE ist laut besagter Studie nicht unter den 36 beliebtesten Vereinen, das ist kein Verein aus einer der deutschen Regionalligen. Wie fliegen eben noch etwas verschleiert knapp unter dem Radar. Was sich hoffentlich bald ändert.

Ich weiß nicht, aber ich denke nicht, dass Erfolg zwingend mit Beliebtheit einhergeht. Oder wenn, dann nicht eins zu eins. Man kann durchaus Erfolge erzielen (Aufstieg in Liga zwei oder drei, zum Beispiel), ohne dass eine etwas unangenehme Sympathiewelle der Beliebtheit über einen hereinbricht, die nicht wirklich von Herzen kommt. Die stimmungs- und erfolgsgebunden ist, die jederzeit wieder abebben kann.

Natürlich wünsche ich RWE schnellstmöglich sportlichen Erfolg, einhergehend mit einer größeren – angemessenen – Beliebtheit. Und klar, der Verein würde dann auch wirtschaftlich wachsen, was zwangsläufig ist und ihm nur gut tut. Aber eigentlich möchte ich nie erleben, dass RWE zu den, sagen wir mal, zehn beliebtesten Vereinen in Deutschland gehört. Ich könnte damit schlicht und einfach nicht umgehen. So ein Platz zwischen 14 und 22, da könnte ich mich auf Dauer sehr gut mit anfreunden. Und die 32-jährige Hausfrau aus Hoyerswerda, die findet bestimmt eine andere Bettwäsche.

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9 Gedanken zu “Keiner mag mich, scheißegal

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