EM-Zwischenfazit


  • Die Euro 2016 in Fronkreisch begeistert mich bisher eher nicht. Die allermeisten Spiele bewegten sich auf mittlerem Niveau, es waren noch keine wirklichen Kracher dabei. Darf man denn in der laufenden Vorrunde überhaupt schon Kracher erwarten? Natürlich. Immerhin hat die UEFA das Teilnehmerfeld von 16 auf 24 Mannschaften künstlich aufgebläht, wenn nicht aus diesem Grund, warum dann sonst? Mehr TV-Gelder, mehr Sponsoren-Präsenz und mehr was-weiß-ich-noch-alles werden wohl kaum der Fall sein. Ganz sicher nicht.
  • Irgendwelche Vollpfosten aus Russland, England und auch aus Deutschland benutzten die EM als Bühne für ihre nicht vorhandene Gehirntätigkeit. Manchmal denkt man, der Mensch ist doch nicht die Krönung der Evolution. Oder die Evolution hat auf ihrem Weg ganz einfach einige Individuen vergessen.
  • Es gibt eine neue coole Spezies, den Hipster-Fan. Er stürzt sich mit Begeisterung auf ein Team, welches bevorzugt aus einem kleinen, gerne auch aus einem bis dato total unbeachteten Land kommt. Und in einem gewissen Maße die „Großen“ ärgert. Zum Beispiel Island, Wales oder Albanien. Und outet sich – auch wenn das eigentlich niemanden interessiert – als absoluter Fan dieser Mannschaft. Okay. Albanien. Viel Spaß.
  • Früher war mehr Sommer im Märchen. Oder war mehr Märchen im Sommer? Auf jeden Fall, so richtig entwickelt sich bisher noch kein Turnierfieber. Sehr gut daran zu erkennen, dass die Beflaggung an einem deutschen Durchschnittsauto (Toyota Corolla) statt früher aus bis zu 31 Schland-Fähnchen zur Zeit eher bei 4 bis 6 liegt. Immerhin verbessert sich dadurch die Aerodynamik und senkt damit den Spritverbrauch. Seien wir einfach ehrlich: So ein Turnier, respektive die Stimmung währenddessen, steht und fällt auch immer ein wenig mit dem Wetter. Das ist einer der Unterschiede zum Vereinsfußball. Zur Hafenstraße geht man immer, selbst wenn die Witterung beschissen bescheiden ist. Man überlegt es sich hingegen zweimal, ob man bei prognostiziertem Regen zum Public Viewing geht. Oder sein offenes Cabrio nach einem deutschen Sieg den feiernden Nachbarn zum Autokorso zur Verfügung stellt.
  • Mein Verein, Rot-Weiss Essen (Gott schütze ihn), plant innerhalb von drei Jahren die Rückkehr in den bezahlten Fußball, untermauert durch die Kampagne Zusammen Hoch 3. Das ist gut und gefällt mir, denn in drei Jahren bin ich immer noch Ende Dreißig. Wie übrigens auch noch in fünf oder acht Jahren. Ich erlebe also noch goldene Zeiten meines Vereins. Was dieser Punkt mit der EM zu tun hat? Nichts. Aber RWE ist eben wichtiger.
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5 Gedanken zu “EM-Zwischenfazit

  1. Ich sehe das genauso, hatte auch schon vor der Euro meine Skepsis geäußert wegen de Aufstockung. Mit den besten Dritten, die auch noch weiterkommen, ist viel Spannung von vornherein raus, dann ist das Niveau deutlich abgesenkt und weil man es vielleicht auch mit zwei oder drei Punkten weiterschafft, spielen viele Teams auf Unentschieden. Kaum zu glauben wie wenig Tore fallen (immer noch kein Spiel mit mehr als drei Toren!), lauter enge, meist späte Favoritensiege – es wiederholt sich und die Tipper bei Kicktipp dürfte bei so vielen Standardergebnissen wahre Rekordergebnisse erreichen. Ich persönlich bin auch satt von der WM, bei der alles passte, brauche den EM-Sieg nicht wirklich und bin mir ziemlich sicher, dass das nicht der deutsche EM-Sommer wird – noch nach jedem WM-Triumph hat eine deutsche Elf erstmal abgebaut – und dann sechs Jahre später den Titel geholt – also 2020 in Wembley würde wirklich viel besser passen… Das Wetter tut sein Übriges und der ausufernde Kommerz sowieso. Die letzte richtig stimmungsvolle Euro war m.E. 2004 in Portugal – 2012 war für mich bisher das langweiligste Turnier überhaupt ohne besondere Ergebnisse und Geschichten… Mal schauen, was in diesem Sommer noch rauskommt…

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    1. CATENACCIO 07

      Man, das ist fast schon ein Blogeintrag! 🙂 Ja, aber stimmt schon alles. Man ist irgendwie übersättigt. Natürlich kann sich das schnell ändern, sollte in den K.O.-Spielen ab dem Achtelfinale die Post abgehen. Lassen wir uns einfach überraschen.

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  2. Stimme den Vorrednern zu. Die EM war für den Allgemein-Zuschauer auf niedrigerem Niveau als vergangene Turniere. Wobei ich da direkt zwei Anmerkungen machen möchte. Wenn es nur darum geht, viele Tore zu sehen, und anhand dessen die Qualität eines Spiel zu beurteilen, dann liegt man da meiner Meinung nach falsch, dann soll man Handball gucken, da hat man immer mindestens 40 Tore, und das sogar nur in einer Stunde…
    Zweitens, schaut mal links in catenaccio07s Twitter-Leiste…. Ich finde der Herr Xavi hat ziemlich Recht. Ich bin kein ausgebildeter Fußballtrainer, aber ich kann mir schon vorstellen, dass ausgewiesene Experten die Defensivleistungen der Teams schon als sehr gut betrachtet haben. Da es hier kein Phrasenschwein gibt, hau ich einen raus: Das Spiel und die Attraktivität dessen lebt von Fehlern, und ich finde bei der EM wurden halt ziemlich wenig Fehler gemacht. Und bevor es jetzt zu lang wird, mach ich Schluss… 😉

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