Public Viewing


Endlich habe ich ab dem 10. Juni, dem Beginn der UEFA-Euro 2016 in Frankreich (oder besser ab dem 12., wenn Die Mannschaft ins Turnier einsteigt) wieder die Gelegenheit, mich in eine größere Ansammlung von Menschen – von echten Fans – zu begeben, die eines eint: Ihre unglaublich große und wahrhaftige Liebe zur Deutschen Fußballnationalmannschaft. So groß und wahrhaftig, dass sie tatsächlich alle zwei Jahre ihre Eruption auf öffentlichen Plätzen erfährt, hemmungslos ausgelebt wird und so dermaßen ehrlich und glaubwürdig wirkt, dass man fast schon von einer massenhaft gelebten Liebespanik sprechen kann.

Ich bin da voll dabei, wirklich. Natürlich bedarf es im Vorfeld einiger gewissenhafter Vorbereitungen, damit auch jeder sehen kann, wie groß und abgöttisch – geradezu endgültig – diese Liebe ist. Schon beim Sommermärchen 2006 war ich in vorderster Stylingfront tätig, denn: Ich hatte als einer der Allerersten überhaupt schwarz-rot-goldene (vielleicht doch eher schwarz-rot-gelbe) Fan-Schminke. Dieses etwas brüchige Teil, welches man sich liebvoll über die Wangen zieht. Und vielleicht auch noch über andere Körperteile. Auch gerne bei Nebenstehenden, ein paar Bier später.

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Natürlich gibt es noch viele andere tolle Accessoires, die meine – unsere – Liebe zum Wahrhaftigsten aller Events ausdrücken. Zum Beispiel der uramerikanische Cowboyhut, der, in den Landesfarben coloriert, ein wunderschönes Zeichen setzt. Für Modebewusstsein, Hipness; ach, ganz einfach für den sicheren und weltgewandten Stil des selbstbewussten Trägers. Und selbstverständlich erhöht er den wichtigen Schlandfaktor um den Wert 10. Auch ein must-have: das Außenspiegelkondom fürs Auto. Zwar kann man damit eigentlich nicht direkt aufs Public Viewing, aber es symbolisiert in einzigartiger Raffinesse die Zugehörigkeit; man bekennt, zeigt und beweist: Ich gehöre auf jeden Fall dazu. So wie mein Honda Civic. Außerdem kann man es, schnell abgezogen (vorsichtig!), dann auf der Fanmeile als ultimativen Bierbecherhalter verwenden.

Aber das absolute Highlight, quasi unverzichtbar: die schwarz-rot-güldene Plastik-Vuvuzela. 2010 zur WM in Südafrika auch auf dem heimischen Markt eingeführt, besticht dieses folkloristische und fast schon antik anmutende Musikinstrument durch seine liebliche, harmonische Tonabfolge. Und es wird seitdem von den stolzen Besitzern wie ein wertvolles Artefakt im Keller gehütet, um dann alle zwei Jahre ein musikalisches Feuerwerk von höchster Qualität abzufeuern.

Im meiner persönlichen Rückschau besonders schön: ein zartes, elfengleiches Wesen um die 126 kg, welches 2006 beim Public Viewing auf dem Essener Kennedyplatz direkt vor uns stand. Bekleidet mit einem sanft herabgleitenden Trikot (ich glaube, von Lidl) am anmutigen und nur leicht verschwitzten Körper, mit der Rückenaufschrift: Poldi seine Ische. Einfach ein magischer Moment für die Ewigkeit.

Bis dann, beim Public Viewing auf einer Fanmeile deiner Wahl.

P.S.: Es geht auch völlig in Ordnung, wenn du dir die Spiele zuhause auf der Couch oder in einer netten, kleinen Kneipe deiner Wahl ansiehst. Kein Problem.

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4 Gedanken zu “Public Viewing

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