Bling-Bling?


Vorab: Ich blogge über einen Regionalligisten. Als ich vor knapp 3 Jahren damit begann, war dieser Regionalligist auch schon Regionalligist. Seitdem gab es einige Höhen und einige Tiefen. Ich habe jetzt aber keine Lust zu überlegen, ob die Höhen oder die Tiefen das Gesamtbild bestimmen. Ist auch völlig egal, da ich aus der Geschichte eh nicht mehr rauskomme.

Natürlich war ich schon Fan bevor ich Blogger wurde; will heißen, ich kenne Rot-Weiss Essen auch in der zweiten, der dritten, ja sogar in der fünften Liga. Das ganze Programm, wie das eben so ist. Es gibt ja diese wunderbaren Thesen, Liebe kennt keine Liga, Seinen Verein kann man sich nicht aussuchen, etc. pp. Stimmt soweit auch alles, ich identifiziere mich damit, stehe absolut dahinter. Und wenn mich irgendein Schalker morgens in der S-Bahn fragt – „Na, wie isset so bei den Amateuren?“, dann kontere ich gerne mit einem locker-flockigen „Schön, ich mag mein Leben ohne Meineide.“ Oder ich wechsel einfach das Abteil, da ich im Zug frische und saubere Luft bevorzuge.

Ab und zu (meistens in einer dunklen, alkoholgeschwängerten Stunde) denkt man aber schon mal darüber nach, wie es so wäre, einen Verein zu haben der in höheren Sphären spielt. Und womöglich – ja, das gibt es! – international. XYZ vs. Borussia Dortmund. XYZ muss im Rückspiel gegen Manchester United ein 0:2 aufholen. XYZ verpflichtet Neymar für 162 Millionen Euro. XYZ gewinnt den Supercup. Toll. Da könnte man was draus machen, richtig gute Storys. Erfolg, Ruhm, Ehre und Schampus. Wie gesagt, in einer abseitigen Stunde.

Aber: nein. So sehr man über diese theoretischen Möglichkeiten auch nachdenkt, je mehr man Blogger anderer Vereine beobachtet, die beinahe halbjährlich über einen 35-Millionen-Neueinkauf schreiben und frohlocken, so reizvoll all diese Sachen auch sein mögen – es ist so wie es ist. Ich verzichte freiwillig auf die Welt des Glitzers und des Bling-Bling, auf regen und charmanten Austausch mit willigen Spielerfrauen im P1, auf Dienstreisen im zweistrahligen Privatjet des Vereins nach Barcelona oder Lissabon; ich verzichte auf all diese Dinge, die mein Leben deutlich glamouröser und angenehmer machen würden. Machen könnten. Ich schreibe über Rot-Weiss Essen, bis mir irgendwann die Ideen für eine gute Geschichte ausgehen oder ich aus Gründen, die wahrscheinlich nichts mit Fußball zu tun haben werden, einfach keinen Bock mehr habe. Ewige Treue, so kitschig und abgegriffen das auch klingen mag. Nur, RWE, tue mir (und all denen, die sich ebenfalls mit dir beschäftigen) bitte einen klitzekleinen Gefallen. Halte dich nächste Saison unbedingt vom Abstiegskampf fern. Wie oben erwähnt, ich brauche kein Bung… kein Bling-Bling. Aber in der 4. Liga gegen den Abstieg zu spielen, darüber schreiben zu müssen, das ich wirklich ziemlich zermürbend. Ich bin mir sicher, dass das einleuchtend ist. Und wenn ich in 3, 4 oder 5 Jahren über einen ambitionierten Zweitligisten berichten kann, dann werde ich aller Wahrscheinlichkeit nach ziemlich zufrieden sein. Ehrlich und versprochen. Deal.

Ach so. Es wäre sehr schön, wenn am 28. Mai das Finale des Niederrheinpokals gegen den Wuppertaler SV gewonnen wird. Denn der Einzug in den DFB-Pokal, das hatte schon immer etwas von Bling-Bling.

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