Fromme Wünsche


Ich bin immer noch leicht geflasht, vom gestrigen Spiel der Europa League. Liverpool FC vs. Borussia Dortmund. Und es kommt eher selten vor, dass mich ein Spiel vom Sitz reißt, oder von der heimischen Couch. Oder vom Barhocker, so wie gestern.

Nun ist es ja nicht so, dass es in der Geschichte von Rot-Weiss Essen nicht auch schon Begegnungen gegeben hat, an die man sich noch 10, 15 oder 25 Jahre später mit Wonne erinnert. Ob epische Spiele im DFB-Pokal gegen Schalke oder Leverkusen (mal gewonnen, mal verloren), dramatische Spiele um den Aufstieg in Köln oder Münster (mal erfolgreich, mal nicht), oder auch mal das ein oder andere zu Beginn eigentlich unauffällige, normale Ligaspiel, welches zu einer wahren Schlacht ausartete. In welcher Liga auch immer. Jeder hat da seine Matches auf dem Schirm. Aber, da muss man ehrlich sein, im regulären Ligabetrieb kommt das eher selten vor. Nicht nur in Essen.

Das Schöne ist, dass einem – wenn man halbwegs neutraler Beobachter ist – im Laufe eines Kicks wie gestern völlig egal wird, wer am Ende gewinnt. Man möchte nur noch mehr von dem sehen, was fast – aber nur fast! – das Bier schal werden lässt und die Rauchpause immer weiter hinauszögert. Mehr Kampf, mehr Leidenschaft, mehr Situationen im Strafraum unter völliger Missachtung des Mittelfelds, mehr Tore, mehr offenen Schlagabtausch, mehr, mehr, mehr, mehr. Man wird gierig, um nicht zu sagen – geil.

Und bei so seltenen Spielen wie gestern bekommt man es. Danke, Fußball. Oft bist du unausstehlich, manchmal aber eben auch unwiderstehlich.

Natürlich ist es von enormen Vorteil, wenn am Ende die eigene Mannschaft – sofern man eben nicht neutral ist – das Feld als Sieger verlässt. Gestern konnte ich mit all dem Gebotenen prima leben, da ich zwar Sympathien für den BVB hege, aber eben auch für Liverpool. Vorteil – ich konnte das Match in all seinen Facetten genießen. Da ich weiß, dass dies hier auch viele Schwarz-Gelbe lesen: Seid gewiss, in ein paar Tagen, wenn die erste Enttäuschung abgeklungen ist, werdet ihr ähnlich über dieses Spiel denken. Als das, was es im Endeffekt war und auch so gesehen werden sollte: Als geiler Kick und Werbung für den Fußball, so wie er am meisten Spaß macht.

Warum ich all dies schreibe? Nun, am Sonntag empfängt Rot-Weiss Essen die Alemannia aus Aachen an der heimischen Hafenstraße. Und ich würde – natürlich im Rahmen des Regionalliga-Niveaus – so ein Spiel hier mit Freuden genießen. Selbstverständlich mit positivem Ausgang für RWE, denn in diesem Fall bin ich alles andere als neutral. Eher so verbissen. Ja, ich weiß. Man steckt im Abstiegskampf. Alles was zählt sind Punkte; Schönspielerei und Dramatik sind da eher zweit- bis drittrangig. Betone ich selbst auch oft genug. Aber hey, ich würde auch dankbar alles nehmen, das ganze Paket. 3 Punkte, ein geiles Spiel und Dramatik bis zum Abwinken. Warum? Weil’s eben geil wäre. Aber schlussendlich reichen mir auch die Punkte.

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