Schöne Scheiße

Ich darf hier einmal diverse Gründe anführen, von denen manche Leute glauben, dass sie die Gilde der Fußballblogger antreiben.

  • Ihnen ist langweilig, verbunden mit Anflügen von ADHS
  • Sie denken, sie sind die Reinkarnation von Ernest Hemingway, nur besser
  • Das Thema Fußball beschäftigt sie 25 Stunden am Tag, es ist ihr Leben
  • Sie werden dafür bezahlt, astronomisch hoch
  • Blogger haben tatsächlich etwas mitzuteilen, weil sie Ahnung von Fußball haben

Ich werde den Teufel tun und mich da irgendwo einreihen. Ich schreibe weil’s mir Spaß macht. Wem es gefällt – prima. Freut mich, ganz ehrlich. Wem nicht – auch prima. Davon ab meinen auch einige, ein Blogger sei das Sprachrohr eines Vereins, oder seiner Anhänger. Nein, nur keine Sorge. Ein Blogger hat nur eine subjektive Einzelmeinung, die er in die Welt hinaus trägt. Die Meinung eines Bloggers ist nicht relevanter als Deine. Nicht mehr, nicht weniger. One man one vote. Er hat noch nicht mal Groupies. Worum es mir hier aber eigentlich geht, das ist ein Problem, welches jeden Blogger eines jeden Vereins ab und an ereilt: Er ist auf dem besten Weg zu einer Schreibblockade.

Denn, und ich verrate Euch hier mal ein kleines Geheimnis, welches Ihr – psssst – bitte für Euch behaltet: Ein richtiger, gestandener Fußballblogger ist nur dann wirklich lesenswert, wenn sein Verein entweder richtig gut in Form ist, oder – das will aber natürlich keiner – ein gewaltiges Problem hat. Wenn der geliebte Verein eine phänomenale Siegesserie hinlegt, sich in den oberen Gefilden der Tabelle befindet, oder soeben Stefan Effenberg samt Edelgattin Claudia verpflichtet hat (der ehrenwerte Kollege vom Blog Schwarz und Blau weiß Bescheid) – dann fließen die Sätze nur so aus einem heraus, wie ein rauschender Wasserfall aus enormer Höhe ins Tal der guten Hoffnung. Oder so ähnlich.

tttttttttt

Wenn der geliebte Verein jedoch mächtig am Tropf hängt, um nicht zu sagen Scheiße am Hals hat (sorry für die Ausdrucksweise, ich hab‘ am Wochenende einen alten Schimanski-Tatort gesehen), dann ist es ähnlich. Nur sind dann nicht Freude oder die pure Erregung Grund für besagten Wasserfall, sondern schlicht und einfach Frustration und Enttäuschung. Nein! Ich meine damit definitiv nicht die aktuelle Situation bei RWE. Eher zum Beispiel die Zeit mit Marc Fascher und Dr. Uwe Harttgen. Ach, was war das schön. Da hatte man, gerade mit Dr. Frankenstein, ein regelrechtes Feindbild. Und wer schon mal ein Feindbild hatte, der weiß ziemlich gut, wie fies die eigene Phantasie Steilvorlagen liefern kann.

Wie es zur Zeit in Essen aussieht… nun ja. Halbgar ist vielleicht die richtige Bezeichnung. Oder, wie der Titel eines Albums von Terence Trent D’Arby, Neither Fish Nor Flesh. 

Aber hey, was wären die Alternativen? Ich könnte über den FC Bayern München schreiben. Dann würde (wollte!) ich alle zwei Tage bloggen. Über grandiose Kantersiege, Spiele mit 92% Ballbesitz, einen 45-Millionen-Einkauf oder die Glatzenpolitur von Pep Guardiola. Oder ich wäre Fan eines wirklich schlechten Vereins (keine Witze jetzt), Namen als Beispiel erspare ich mir. Dann sitzt man nur noch heulend vor der Tastatur, und beginnt irgendwann total betrunken mit dem Kopf auf ebendiese zu fallen. Ihr seht, beides keine Alternativen.

Also bleibt alles wie es ist. Man nimmt es wie ein Mann, egal was kommt. Und irgendwo nimmt man es irgendwie auch immer gerne. Denn lieber schreibe ich mein Leben lang über Rot-Weiss Essen, als nur ein einziges Mal über die Spielantizipation von Thomas Müller. Oder irgendetwas über die Farbe Königsblau.

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2 Gedanken zu “Schöne Scheiße

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