Über Prioritäten

Da an diesem Sonntag das Niederrheinpokal-Zweitrundenspiel des RWE beim KFC Uerdingen auf dem Programm steht, melden sich mal wieder einige Optimisten pünktlich wie die Eieruhr zu Wort. Mit den altbekannten und fröhlichen Gassenhauern wie Ja gut, die Liga ist gelaufen, dann muss der Pokal eben die Saison retten.

Geht’s noch? Gut, ich bin wahrlich kein Freund von Durchhalteparolen, weder lasse ich die vom Stapel, noch möchte ich die hören. Aber ich bin nicht im Ansatz dazu bereit, diese Saison – in der Liga – abzuschenken. 10 Punkte auf Platz 1 (bei einem Spiel weniger), 9 Punkte auf Platz 2. 6 auf 3. Ebenfalls bei einem Spiel Rückstand. Anzahl der noch zu vergebenen Punkte: 72. Jeder kann sich seinen Favoriten aussuchen. Natürlich sind das keine Zahlen, bei denen ich vor lauter Freude in einen tranceähnlichen Zustand übergehe. Aber eben auch keine, um vorzeitig das Ende der Saison einzuläuten. Wie gesagt, ich stehe nicht auf Durchhalteparolen. Nur schenke ich eine Spielzeit erst ab, wenn rein rechnerisch nichts mehr geht. Oder wenn einem irgendwann der Verstand sagt – da geht nichts mehr. Davon bin ich aber noch ziemlich weit entfernt, denn dafür sind die Anzeichen (die letzten Spiele) zu groß, dass sich diese Mannschaft endlich gefunden hat. Und dabei ist, eine gute bis sehr gute Leistung auch konstant über 90 Minuten abzurufen. Konstant auch in ein paar Spielen am Stück. Prinzip Hoffnung? Ja, vielleicht. Aber für mich besser als das Prinzip Ist doch eh alles für’n Arsch.

Natürlich hat auch der Niederrheinpokal seine feste Bedeutung. Der Gewinn dieses Wettbewerbs ist gut für die Kasse, gut für’s Image. Und wer beim Sieg im sommerlichen Finale gegen Rot-Weiß Oberhausen dabei war, und/oder beim folgenden, großartigen Erstrundenmatch gegen Fortuna Düsseldorf im DFB-Pokal, der weiß, dass solche Spiel vor allem eines sind – sie sind gut für die Seele.

Von daher, rot-weisse Helden in spe, dann deckelt mal am Sonntag die wieder einmal aufkommenden Großmannsphantasien des merkwürdigen Herrn Lakis, und zeigt dem zweithässlichsten Maskottchen Deutschlands (hinter der Schalker Wasserleiche Erwin), dem grauen Schwanznasenmann Grotifanten, dass man allein mit dämlichen Sprüchen keinen Meter Land gewinnt. Vergesst aber darüber hinaus nicht die kommenden Aufgaben in der Liga. Denn die ist der Alltag. Der Pokal – ob Niederrhein oder DFB – nur eine willkommene Zugabe. Also schnappt ihn euch.

Ach so, wenn ich die ganze Aufregung in den sozialen Netzwerken heute richtig interpretiere, hat Jürgen – oder Jurgen, wie es wohl richtig heißt – Klopp den Friedensnobelpreis gewonnen. Herzlichen Glückwunsch, ich hätte mich aber anders entschieden.

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Ein Gedanke zu “Über Prioritäten

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