To be or not to be

Imaginäres Gespräch in einer Essener Eckkneipe, Samstagnacht, ca. 01.46 Uhr.


„Du bist RWE-Fan, oder?“

„Ist das jetzt ’ne Anmache, oder ’ne ernste Frage?“

„Eine ernste Frage. Du siehst nicht wirklich zufrieden aus.“

„Du Teppichklopfer. Schon mal auf die Idee gekommen, dass Fußball nicht 24 Stunden am Tag auf den Gemütszustand schlagen muss? Also, wie kommst Du darauf?“

„Du hast da vorhin auf dem Klo einen RWE-Aufkleber an die Tür geklebt.“

„Ach so. Ja, stimmt. Und wie kann ich Dir jetzt weiterhelfen?“

„Ich frage mich nur, wie das so ist. Als RWE-Fan. Denn vorsichtig formuliert…die letzten Jahre waren für Euch nicht sonderlich erfolgreich. Verstehe mich nicht falsch. Bei vielen Vereinen läuft’s sportlich schon länger nicht rund. Aber Ihr tragt die Erfolglosigkeit mit einer gewissen Würde. Ganz ehrlich, es würde mir ziemlich schwerfallen.“

„Würde…das ist der tägliche, wöchentliche Kampf ums Überleben. Nachbarn, Arbeitskollegen die einen foppen. Gegner wie Erndtebrück, Wegberg-Beeck, der Blick auf die Tabelle…aber okay, vielleicht trifft es Würde ganz gut. Welcher ist Dein Verein?“

„##########.“

„Du Arsch.“

„Hey! Ich habe mir meinen Verein nicht ausgesucht, er wurde mir gegeben. Wer hat dieses Zitat eigentlich gesagt?“

„Britney Spears.“

„Nicht Nick Hornby?“

„Spears, Hornby, Cantona, von Weizsäcker, wen interessiert das. Es ist wie es ist. Gönne mir die Vorstellung, dass es wenigstens eine Frau gesagt hat.“

„Schon mal mit dem Gedanken gespielt, den Verein zu wechseln?“

„Möchtest Du jetzt die üblichen Floskeln hören? Seine Frau kann man wechseln, seinen Verein nicht, und so weiter? Nein, nichts dergleichen. Ich bin Fan von Rot-Weiss Essen, weil ich an diesen Verein glaube. Punkt. Ich habe ihn in der 2. Liga erlebt, und ich werde ihn dort auch wieder erleben. So einfach ist das. Ganz ohne Romantik.“

„Und wenn das nichts mehr wird, mit der 2. Liga? Du siehst auch nicht mehr wie 26 aus.“

„Fresse! Das liegt nur am Licht hier. Und spätestens in 4, 5 Jahren spielt RWE wieder in der 2. Liga. Und, Kollege, falls nicht, bleibe ich trotzdem RWE-Fan. Was anderes kommt für mich def nicht infrage. Und frage mich nicht wieder, warum, wieso, weshalb. Es ist so. Ich muss das auch nicht begründen. Genauso wenig, wie ich begründen muss warum ich atme, esse oder trinke. Oder hier sitze. Ich tue es, aus Gewohnheit. Und es macht mir immer noch verdammt viel Spaß. Das alles.“

„Dann viel Glück noch, diese Saison. Was meinst Du, geht da noch was nach oben?“

„Was weiß ich. Bestell mal lieber noch 2 Bier und 2 Tequila.“

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