Deutscher Meister ist nur der RWE

Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft 1955

Rot-Weiss Essen vs. 1. FC Kaiserslautern 4:3 (3:1)

Niedersachsenstadion zu Hannover, 26. Juni, 15 Uhr


Rot-Weiss Essen:

Fritz Herkenrath, Joachim Jänisch, Willi Köchling, Paul Jahnel, Heinz Wewers, Willi Grewer, Helmut Rahn, Franz Islacker, August Gottschalk, Johannes Röhrig, Bernhard Termath. Trainer: Fritz Szepan

1. FC Kaiserslautern:

Willi Hölz, Werner Baßler, Werner Kohlmeyer, Werner Mangold, Werner Liebrich, Otto Render, Erwin Scheffler, Fritz Walter, Horst Eckel, Willi Wenzel, Karl Wagner. Trainer: Richard Schneider

Zuschauer: 80.000

Schiedsrichter: Albert Meißner (Nürnberg)

Tore: 0:1 Willi Wenzel (11.), 1:1 Franz Islacker (18.), 2:1 Johannes Röhrig (27.), 3:1 Franz Islacker (43.), 3:3 Werner Baßler (72.), 4:3 Franz Islacker (85.)


„Es gibt viele Höhepunkte in der Geschichte von Rot-Weiss Essen, an die sich die Anhänger des Klubs gerne erinnern. Den zweifellos größten Triumph aber feierte der Verein am 26. Juni 1955 mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft. Durch einen 4:3-Endspielsieg über den 1. FC Kaiserslautern konnte sich RWE in das „Buch der Geschichte des DFB“ eintragen und der Vereinschronik ein einzigartiges Ruhmesblatt hinzufügen.“

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„Die letzten Tage vor dem Endspiel verbringt RWE im Sauerland. Hier soll die Elf von Trainer Fritz Szepan den letzten Schliff bekommen, aber auch Kraft tanken und sich erholen, um ausgeruht und konzentriert die Reise zum Endspielort Hannover antreten zu können. Am 25. Juni reist das Team unter der Leitung des Ehrenvorsitzenden Georg Melches in die niedersächsische Landeshauptstadt und bezieht im Hotel „Luisenhof“ Quartier. Den Spielern ist keine Nervosität anzumerken, obwohl sie zum ersten Mal um die Meisterschaft kämpfen.“

„Bei herrlichem Sonnenschein sind über 80.000 Besucher ins Niedersachsenstadion gekommen und warten ungeduldig auf den Anpfiff. Mit unzähligen Autos und Sonderzügen sind die Rot-Weissen nach Hannover gepilgert, um live dabei zu sein, wenn der große Wurf gelingt. Unter Jubelrufen, Sirenengeheul, Trompetenstößen und großem Beifall betreten beide Mannschaften den Rasen.“

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„Gleich nach dem Anpfiff von Schiedsrichter Meißner reißen die Roten Teufel vom Betzenberg das Spiel an sich und gehen durch Wenzel schon nach elf Minuten mit 1:0 in Führung. 60 Sekunden später verhindert Herkenrath die Vorentscheidung zugunsten der Lauterer. Linksaußen Scheffler zieht auf und davon, doch der RWE-Keeper wirft sich ihm entschlossen entgegen. Der Torwart verletzt sich dabei, kann aber unter großen Schmerzen weiterspielen. Langsam findet RWE ins Spiel. Nach einer Viertelstunde werden die Angriffe druckvoller und sofort gelingt der verdiente Ausgleich. In der 18. Minute verwandelt Islacker eine Flanke von Röhrig zum 1:1.“

„Wie entfesselt berennen die Rot-Weissen nun das von Hölz gehütete Tor. Rahn läßt Kohlmeyer und Eckel in seiner unnachahmlichen Manier aussteigen, bedient den freistehenden Röhrig, dessen Kopfball zum 2:1 ins Netz zischt. Nach 27 Minuten liegt der Westmeister zum ersten Mal in Führung. Die Lauterer antworten mit wütenden Angriffen. Innerhalb von 180 Sekunden erzielen sie vier Eckstöße, die jedoch nichts einbringen. Gottschalk, Rahn, Islacker und Röhrig leiten immer wieder gefährliche Konter ein, die die gegnerische Abwehr immer wieder in Verlegenheit bringen.“

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„Trotz der großen Hitze zeigen beide Mannschaften herzerfrischenden Offensiv-Fußball, an dem die 80.000 ihre helle Freude haben. Wenige Augenblicke vor dem Seitenwechsel schweben die mitgereisten Essener im Fußballhimmel. Islacker umdribbelt seinen Gegenspieler Render, schießt flach ins lange Eck. Hölz hat erneut keine Abwehrchance. Pennys Geschoss zappelt im Netz. Zwei Tore Vorsprung zur Pause sind selbst für Optimisten eine Überraschung, auch wenn es keinen Zweifel gibt, dass die Führung in dieser Höhe verdient ist. Den RWE-Fans schmeckt das Bier in der Pause auf jeden Fall ausgezeichnet.“

„In der 55. Minute fordern die Pfälzer lautstark Elfmeter, als Herkenrath sich dem anstürmenden Wagner entgegenwirft und ihn angeblich behindert. Der gut postierte Schiedsrichter winkt ab und lässt weiterspielen. Aber dann passiert es doch. Liebrich flankt von der rechten Seite und Wenzel läßt Herkenrath mit seinem wuchtigen Kopfstoß zum zweiten Mal keine Abwehrmöglichkeit. Die Begegnung ist wieder offen, die Härte nimmt zu. Rahn hat in der 65. und 68. Minute zwei Einschussmöglichkeiten, die Render bzw. Hölz im letzten Augenblick zur Ecke abwehren.“

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„Dann haben die Essener Schlachtenbummler bange Minuten zu überstehen. Islacker verletzt sich im Zweikampf mit Eckel, muss vom Platz getragen werden, wo sich Dr. Kargus intensiv um ihn bemüht. Die dezimierte Mannschaft muss sich jetzt verstärkt den Lauterer Angriffen erwehren. Scheffler dringt in den Strafraum ein, stürzt mit Jahnel und Herkenrath zu Boden. Der Unparteiische zeigt zur Verwunderung der Rot-Weissen auf den ominösen Punkt, und Baßler läßt sich 18 Minuten vor Schluss die große Möglichkeit nicht entgehen, verwandelt trocken zum 3:3 unter die Latte.“

„Die Spannung ist nun nicht zu überbieten, da setzt sich der dribbelstarke Termath auf der rechten Seite gegen Render durch, zieht den Ball nahe der Auslinie nach innen. Mit letzter Kraft wirft sich der schwer angeschlagene Islacker in die Flanke und köpft wuchtig am verdutzten Hölz vorbei ins Netz. Baßler reklamiert zwar Abseits, doch der Schiedsrichter erkennt auf Tor, da auch der Linienrichter zur Mitte zeigt.“

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„In den letzten fünf Minuten mobilisieren die Essener, beflügelt durch den Führungstreffer, die letzten Reserven und bringen den Vorsprung über die Zeit, obwohl der Unparteiische die Nerven der Fans stark strapaziert, weil er drei Minuten nachspielen lässt. Doch dann – Abpfiff: Rot-Weiss Essen ist Deutscher Meister! Der erste Nachkriegs-Titelträger des Westens. Das Niedersachsenstadion gleicht anschließend einem Fahnenmeer in Rot und Weiss. Die Anhänger stürmen den Rasen, heben die Spieler auf ihre Schultern. Der Jubel kennt keine Grenzen.“

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Essen rüstet sich, den Deutschen Meister gebührend zu empfangen, so lautet die Schlagzeile einer Morgenzeitung, die die Spieler noch in Hannover lesen. Darum sind die Akteure auf einiges vorbereitet. Dass es aber solch ein begeisternder und triumphaler Empfang wird, das kann wirklich niemand ahnen. Tränen stehen den Rot-Weissen in den Augen, als sie aus dem Bahnhof treten. Der Vorplatz ist von einer Menschenmenge überflutet. Man kann sein eigenes Wort nicht mehr verstehen, denn die Jubelschrei der Massen übertönen alles. Nur mit Mühe können die Gefeierten zu den Fahrzeugen gelangen. Der Triumphzug durch Essen beginnt. Im Saalbau gibt es zunächst eine kurze Erholungspause. In seiner Ansprache ruft Oberbürgermeister Dr. Toussaint den Spielern und Offiziellen zu: Die Stadt Essen ist stolz auf euch, nicht nur weil ihr den Sieg in die Ruhrgebietsmetropole geholt habt, sondern weil ihr den Titel in vorbildlicher sportlicher Haltung erstritten habt. Ihr seid eine würdige Meisterelf.

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Textquelle (Inhalt gekürzt): Revierkick.de; Fotos: Rot-Weiss Essen und unbekannt.

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