Fluchtpunkt Finale


So, und wieder einmal neigt sich eine Saison von Rot-Weiss Essen in der Regionalliga West dem Ende entgegen. War geil, ne? Nein, nicht so wirklich. Ein missratener Start, ein veritables und längeres Zwischenhoch (bezogen auf die Ergebnisse, nur bedingt auf den gebotenen Fußball), dann der totale Sinkflug, gefolgt von einem weiteren, kurzen Zwischenhoch und schließlich letztes Wochenende ein klassischer, schnörkelloser Punch mitten ins Gesicht. Eine 1:3 Niederlage gegen den rechnerisch bereits abgestiegenen Tabellenletzten aus Hennef (das liegt am Mittelrhein). Aber sowas von auf die Zwölf, Floyd Mayweather jr. und Manny Pacquaio hätten keine 14 Stunden später sicher einen nicht unerheblichen Teil ihrer spärlichen Gage gegeben, um einen solchen Knock Out in die geliebte Visage ihres Gegners zu platzieren.

Normalerweise schreibt man einen Saisonrückblick, oder etwas das so ähnlich anmutet, erst nach dem Ende einer Spielzeit. Aber eben diese kann man ja gemächlich abhaken, was die Liga betrifft. Ob man in der Endabrechnung nun auf Platz 4 oder 5 einläuft, das ist für mich in etwa so interessant wie ein Eimer voller vegetarischer Chicken Wings.

Was bleibt, ist das Finale im Niederrheinpokal gegen Rot-Weiß Oberhausen, die Hoffnung (nein, die unverblümte Forderung!) auf einen Sieg und damit den Einzug in den gelobten DFB-Pokal. Denn dann wäre, auch wenn sich das jetzt vielleicht etwas zu optimistisch anhört (böse Zungen könnten auch sagen – Milchmädchenrechnung), die Saison noch irgendwie gerettet. So halbwegs. Denn bei den ganzen hanebüchenen Querelen (Eskapaden!) um die beiden Essener All Time Heroes, Dr. Uwe Harttgen und – mit Abstrichen – Marc Fascher (Dr. Mabuse wird übrigens noch die Thomas-Strunz-Gedächtnismedaille in Gold verliehen), hatte man kurzfristig doch ein wenig Sorge, dass es den Verein von innen heraus zerreißt. Dass er einfach implodiert, wie ein heißgelaufenes Fernsehgerät nordkoreanischer Herstellung.

Also, 14. Mai, 14.00 Uhr, Stadion Essen. In diesen 90 Minuten (auf 120 plus Lotterie kann ich wirklich verzichten, außerdem ist Vatertag) hat die Mannschaft die letzte Gelegenheit, eine ziemlich verkorkste Saison noch etwas zu veredeln. Und sicherlich ist es auch für den ein oder anderen Spieler noch mal eine Chance, zu zeigen warum er es verdient im Trikot von Rot-Weiss Essen Fußball spielen zu dürfen. Denn bei der 1:3 Klatsche zuhause gegen Hennef…aber lassen wir das. Jeder hat es gesehen.

Und, letztendlich, die Hoffnung, das Versprechen auf die neue Spielzeit. Dass die Verantwortlichen im Verein Schlüsse ziehen, Entscheidungen treffen, die eines zwar nicht garantieren können (denn Garantien gibt es nie im Leben), aber zumindest nach besten Kräften untermauern: Dass der RWE in der Lage sein wird, bis zum Ende der nächsten Saison um den Aufstieg mitzuspielen. Falls es nicht klappt mit dem ominösen Relegationsfahrstuhl in Liga 3, ok. Wie gesagt, Garantien gibt es im Fußball und in der Ehe nicht. Jede(r) Geschiedene weiß das. Aber es gibt die Hoffnung, und den berechtigen Wunsch, dass dieses Team, wie auch immer es kommende Saison aussehen wird, wie auch immer der Trainer heißen wird, in jedem Spiel brennt. 90 Minuten für den Verein. Das kann und darf man auch verlangen. Und wenn das der Fall sein sollte, kann so viel eigentlich gar nicht schiefgehen.

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