Enemy of the State


Lieber Claus Weselsky,

vielen Dank dafür, dass Sie anscheinend doch nicht völlig beratungsresistent sind, und den aberwitzigen 4-Tage-Streikmarathon der GDL, Stand heute, am Samstag um 18:00 Uhr aussetzen. Pünktlich zum Beginn der Sportschau. Ist etwa die Streikkasse leer? Egal, noch einmal, tausend Dank. Wir in Essen hatten nämlich schon so ziemlich alle denkbaren Möglichkeiten erwogen, um am Sonntag zum Spiel in Uerdingen eine ordentliche Anzahl von Fans zu mobilisieren. Sonderbusse, Radtouren, Mitfahrgelegenheiten, manche haben sogar ausgeknobelt, wie man von Essen nach Krefeld unter Nutzung von Bussen und Straßenbahnen kommt. Möglich ist alles, wenn man nur will. Nur die Anreise per pedes wäre kategorisch auszuschließen gewesen, Luftlinie 38,5 km, da kriegt man nur die goldene Wandernadel an den Kragen und Schwielen an den Füßen. Aber, lieber Claus Weselsky, dank Ihres klugen und weitsichtigen Einlenkens kann der RWE am Sonntag nun wie ursprünglich geplant in voller Sollstärke anreisen.

Einlenken…warum eigentlich, Herr Weselsky? Ist Ihnen, wie man hier im Ruhrpott so schön sagt, der Arsch auf Grundeis gegangen? Haben Sie gemerkt, dass Ihre Idee des Totalen Streiks vielleicht doch nicht so gut ankommt, bei mehr und mehr Teilen der Bevölkerung? Dass Ihre Art, Ihr autokratischer Führungsstil, Ihr machtbesessenes und größenwahnsinniges Gehabe einfach nur abstoßend wirkt? Wissen Sie, ich kenne Sie nicht persönlich. Dazu kommt, dass ich das Streikrecht per se für ein hohes Gut halte. Arbeiter sind für ihr Recht zu Streiken durch die Hölle gegangen, wurden angefeindet, vom herrschenden Establishment geächtet und hier und da auch schon mal aus dem Weg geräumt. Wer sich auf die Seite der Streikenden stellte, war moralisch integer. Immer. Bis heute. Bis Sie kamen.

Ihnen geht es nicht mehr um längst durchgesetzte Löhne, um Arbeitsausgleich, Ihnen geht es um Ihre persönliche, schwindende Reputation. Sie haben einmal etwas zu viel an Ihrer Schnabeltasse der Macht genuckelt, sind verblendet und halten sich wahrscheinlich für den größten Gewerkschaftsführer aller Zeiten. Das sind Sie nicht. Ihr Vorgänger, der allseits anerkannte und legendäre Manfred Schell, hält Sie für einen „Egomanen, der einen heiligen Krieg führt„. Meine Wenigkeit hält Sie für ein armes, bemitleidenswertes Würstchen. Wissen Sie, warum? Jemand, der behauptet, „Wenn sich zwei Kranke miteinander ins Bett legen und ein Kind zeugen, da kommt von Beginn an was Behindertes raus„, der steht für mich in der Evolutionsstufe knapp unterhalb einer Amöbe. Er macht allzu deutlich klar, wessen Geistes Kind er ist. Dazu kommt noch, dass Sie diesen Satz auf einen Kontrahenten münzten, der Vater eines behinderten Kindes ist.

Lieber Claus Weselsky, noch einmal vielen Dank, im Sinne meines Vereins. Ansonsten möchte ich Sie niemals, auf gar keinen Fall kennenlernen, ich möchte Sie nicht als Chef, nicht als Mitarbeiter, nicht als Kunden. Ich möchte Sie noch nicht mal als Untergebenen. Ich würde mich ekeln, müsste ich mit Ihnen ein Bier trinken. Ich möchte eigentlich nur, dass es Menschen wie Sie überhaupt nicht gibt.

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