José Mourinho

„Ey André, warum magst Du eigentlich José Mourinho? Das ist doch ein ziemlicher Unsympath.“


Tja. Warum mag ich José Mourinho. Vielleicht, weil er etwas darstellt, was auf den ersten Blick nicht unbedingt für jeden erkennbar ist. Er verkörpert Werte. Nicht die Art von Werten, die in unserer heutigen Toleranz- und Bussi-Bussi-Gesellschaft en vogue sind. Andere Werte, archaische. Von denen manche sagen werden, dass sie überholt sind und nicht mehr in unsere Zeit passen. Genau wie sein Spielsystem, welches in wichtigen, entscheidenden Partien oft nur ein Ziel hat – die Zerstörung des Gegners. Ungeachtet von Schönheit, Grazie oder Gesetz.

Mourinho sieht und lebt für mich den Fußball in seiner reinsten, erhabensten und ehrlichsten Form. Als ein Spiel, welches unbedingt gewonnen werden muss. Wenn nötig auch mit Mitteln, die nur bedingt vom Gedanken des Fair Play erfüllt sind. Merkt er, dass eine gegnerische Mannschaft überlegen ist, beginnt es. Der Krieger in ihm erwacht. Geschieht dies im Vorfeld eines Spiels, oder einer Saison, sucht er nicht nach einer Schwachstelle beim Gegner. Nein, er greift frontal an, er fixiert den Stärksten, den Platzhirsch. Pep Guardiola, Arsène Wenger, Sir Alex Ferguson (obwohl ihn mit diesem eine respektvolle Freundschaft verbindet). Mourinho würde eines eigentlich nie tun – einen Schwächeren angreifen. Nur Personen, die ihm auf Augenhöhe oder darüber begegnen. Mit Ausnahme von Schiedsrichtern natürlich, denn diese sind es nun mal, neben dem Gegner, die ihm auf dem Platz hin und wieder das nehmen wollen, was er zum Leben braucht wie die Luft zum Atmen. Den Kopf des Gegners.

Wenn ich mir dagegen Pep Guardiola ansehe, seinen Widerpart, seine Antipode seit Anbeginn der Zeit… ich respektiere Guardiola. Er lässt fast perfekten Fußball spielen, ist ein Mann von Welt, hat Stil. Aber eines ist er ganz sicher nicht. Guardiola ist kein wirklicher Kämpfer. Keiner, dem ich im Krieg mein Leben anvertrauen würde. Pep Guardiola hat bei Barça einen Zlatan Ibrahimović abserviert – kalt, berechnend, wie ein Buchhalter, der einen Posten in seinem Wareneingang streicht. José Mourinho steht hinter seinen Spielern, verteidigt sie wie König Leonidas seine 300. Sollte es doch einmal zu einem Zerwürfnis kommen, ist er Mann genug dies mit harten aber ehrlichen Worten zu klären.

Mourinho ist arrogant, zweifellos. Nun gibt es für mich zwei Arten der Arroganz. Eine ehrliche, die man sich redlich erarbeitet hat und eine aufgesetzte, die schon beim ersten Blick fällt wie eine Maske. Die Arroganz des José Mourinho ist redlich, ehrlich und unverblümt. Und damit habe ich kein Problem, hatte ich nie.

Ich habe diesen Text eigentlich nur geschrieben, weil mir eine Kollegin heute obige Frage stellte. Aber auch, weil ich genau weiß, dass nicht alle dem Mainstream eines Pep Guardiola und Konsorten verfallen sind. Und vom schönen Spiel schwärmen. Von der Bussi-Bussi-Gesellschaft. Einige rufen immer noch, wenn sie einen Gegner erblicken – „Das ist Sparta!“ Wie José Mourinho.

1 Kommentar zu „José Mourinho“

  1. […] Und ich muss Ihnen leider sagen, mir gefällt nicht was ich da sehe. Damit bin ich auch nicht allein. Ich fühle mich an meine Kindheit erinnert, an Spiele der deutschen Fußballnationalmannschaft in den 80ern. Grauenhaftes, unansehnliches Rumgebolze, Querpässe ohne Raumgewinn, Fehlpassorgien und das berühmte, berüchtigte Langholz. Viele haben sich damals enttäuscht und angewidert abgewendet, sie wurden erst durch den Titelgewinn bei der WM 1990 in Italien wieder versöhnt. Aber selbst das war mehr ein Triumph der Willensstärke, als das Ergebnis überschäumender Spielfreude. Nicht, dass ich schönen Fußball unbedingt brauche. Mir ist der Erfolg wichtig, und der wird nun mal in der Regel durch attraktiven Fußball bewerkstelligt. Manche haben auch Erfolg mit einem ziemlich hässlichen Fußball, wie der von mir sehr geschätzte José Mourinho. […]

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