Dr. Jekyll and Mr. Hyde

Diese Story von Robert Louis Stevenson kennt wohl jeder. Über den angesehenen und erfolgreichen Londoner Arzt Dr. Jekyll, und seine isolierte, psychopathische Persönlichkeit namens Mr. Hyde. Der böse, innere Zwilling.

Ich hatte sie Freitag Abend auf einmal im Kopf, als ich nach einem etwas merkwürdigen Spiel gegen den SC Verl die Essener Hafenstraße verließ. Im Prinzip nicht unzufrieden, aber prinzipiell nicht befriedigt. Wie kann es sein, dass eine Mannschaft in der ersten Halbzeit eine gute, solide, teils wirklich klasse Leistung auf die Platte bringt, in der zweiten Halbzeit dann aber nahezu vollkommen den Faden verliert? Sich in den eigenen, bösen Zwilling verwandelt? Und es war ja nicht das erste Mal in dieser Saison, dass sich die beiden Hälften eines Spiels ähneln wie eine aparte, schwedische Schönheitskönigin und eine verwelkte, ehemalige Dorfschönheit aus Rumänien (nein, ich habe nichts gegen Rumänien. Aber irgendein Land musste jetzt herhalten. Also die Heimat von Graf Dracula). Wie kann das sein?

Im Prinzip hat diese Mannschaft Klasse, und sie wirkt mittlerweile auch gefestigt. Aber – meistens eben nur eine Halbzeit. Mal die erste, mal die zweite. Warum schafft sie es nicht, das zweifellos vorhandene Potential über 90+3 Minuten abzurufen? Wenn ein Everest-Bergsteiger auf der Hälfte des Weges vom Basislager zum Gipfel schlappmacht, dann hat er eventuell ein echtes Problem. Weil ein plötzlich auftretender Wetterumschwung – auf Freitag bezogen, wiederstarkte Verler – ihm das Leben zur Hölle machen kann. Und das ist dann ein Problem, welches sich im Kopf des Bergsteigers manifestieren kann. Wenn es das nicht schon längst getan hat. Das wäre dann ein Kopfproblem, und das ist übel. Gar nicht gut…  Alles, egal was man tut, sollte man nach Möglichkeit von A bis Z zu Ende bringen. Wenn man Geschlechtsverkehr hat, dann macht man auch nicht schlapp holt man nicht mal eben ein Päckchen Zigaretten von der Tanke, bevor die Katze im Sack ist. Oder so ähnlich. Sagen wir, bevor der Drops gelutscht ist. Das ist eine deutlich bessere Assoziation.

Also, liebe Spieler von Rot-Weiss Essen. Ich weiß, dass Ihr es könnt. Ihr wisst, dass Ihr es könnt. Deal? Über die volle Distanz, 90+3 Minuten? Wenn ich nicht ganz falsch liege, sind die, Stand heute, drei Letzten der Tabelle die nächsten Gegner. Das sollte eigentlich Grund und Motivation genug sein, in diesen drei Spielen 7 plus X Punkte anzuvisieren. Oder besser, wie in der Kegelsprache, Alle Neune. Und, das aber nur unter uns – ich habe da eigentlich vollstes Vertrauen in Euch.

P.S.: Am Ende der Story wird der bösartige Mr. Hyde von der Polizei erschossen. Er verwandelt sich ein letztes Mal in den guten Dr. Jekyll, und alle leben glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende. Aufgestiegen ist in der Geschichte allerdings niemand.

Advertisements

Deine Meinung?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s