Die Sache mit dem Zweitverein


Darf man überhaupt einen haben? Oder wird man von den Puristen des Fußballs zerrissen, wenn man seine Leidenschaft auf mehr als nur „den einen“ Verein überträgt? Eigentlich stelle ich mir diese Frage nicht, ich brauchte nur eine halbwegs sinnvolle Einleitung.

Mein Zweitverein ist der Hamburger SV. Oder nein, Zweitverein ist so nicht richtig. Denn ich habe als Kind für den HSV geschwärmt, noch weit bevor ich Rot-Weiss Essen für mich entdeckte. Oder der RWE mich entdeckt hat, wie auch immer. Es war auch eine geile Truppe damals, Stein, Hrubesch, Kaltz, Magath, Hartwig, von Heesen, um nur einige zu nennen. Welcher 8-, 9-jährige konnte damals schon nein sagen, zu so einer Mannschaft? Bremer werden jetzt sagen, Hier, ich konnte! Ja, konntet Ihr. Aber mich hat eben der HSV in seinen Bann gezogen, unwiderstehlich und mit Verve.

Und die Jahre ziehen ins Land, und wir trinken immer noch ohne Verstand… (danke, Campino) …und jetzt sitz‘ ich hier, bin etabliert, und schreib‘ auf teurem Papier…(danke, Marius) und habe zwei Vereine an der Backe, die mich seit einiger Zeit von einer Sinnkrise in die nächste stürzen. Mal ganz davon abgesehen, dass man als Essener geächtet wird, wenn man für Hamburg, meine Perle, ist, und nicht für den hanseatischen Mitbewerber aus Bremen. Mir egal, ich verrate nicht meine Kindheit. Der RWE scheint – ich will es nicht beschwören, ich hoffe es nicht, aber die Anzeichen verdichten sich – eine weitere Saison voller Freundschaftsspiele vor der Brust zu haben, und der Hoa Ess Vau gibt die so ziemlich desaströseste Vorstellung ab, auf dem Platz wie auch daneben, die man seit Jahren (Jahrzehnten?) im deutschen Profifußball begutachten durfte.

Was zieht man daraus für Konsequenzen? Eigentlich gar keine. Wenn man nicht gerade Fan von Real Madrid oder Bayern München ist, muss man einfach damit leben. Es kommen wieder bessere Zeiten, für Essen wie für Hamburg. Vielleicht schon in 2 Monaten (hoffentlich für Essen), vielleicht erst in 3 Jahren (hanseatischer Zweckoptimismus). Und bis dahin…sitz‘ ich hier, bin etabliert, und schreib‘ auf teurem Papier. Ein Lied über meine Vergangenheit, damit ich den Frust verlier‘. Ich möcht‘ zurück auf die Straße, möcht‘ wieder singen, nicht schön, sondern geil und laut. Denn Gold find‘ man bekanntlich im Dreck, und Straßen sind aus Dreck gebaut.

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