Fußballromantik und ich


Die Amerika-Reise von Rot-Weiss Essen 1954

Es ist einfach so – ich bin nicht wirklich ein Romantiker. Nicht in der Liebe, in der mir schon häufig ein gewisser Anflug von Lakonie vorgeworfen (oder bösartig unterstellt) wurde, und auch nicht im Fußball. Schon gar nicht im Fußball. Ich bin Pragmatiker, was vielleicht damit zusammenhängt dass ich Atheist bin. Alles klar? Nein? Kein Problem, verstehe ich manchmal selber nicht. Auf jeden Fall, als ich heute obigen, brandaktuellen Link auf der RWE-Homepage anklickte, da war dieses etwas schale Gefühl wieder da. Der RWE, ruhmreich, erfolgreich, begehrt…vor 60 Jahren. Damit wir uns nicht falsch verstehen – ich bin sehr stolz darauf. Stolz auf die Erfolge von Rot-Weiss in den 50ern, stolz Fan dieses Vereins zu sein. Das wäre ich allerdings auch ohne Meistertitel und Pokalsieg.

Aber, und selbst wenn ich damit völlig alleine stehe – ich kann es nicht mehr hören. Ich bin satt. Satt, immer und immer wieder in Nostalgie gebadet zu werden. Wenn meine Großmutter beim Sonntagsbrunch (zum Glück nur jeden vierten Sonntag) beginnt, von der guten alten Zeit zu reden, dann schalte ich spätestens nach 5 Minuten automatisch auf Durchzug. Warum? Weil ich das alles schon tausendmal gehört habe. Ich weiß das alles schon, ich brauche keine x-te Wiederholung. Ein anderes Beispiel. Natascha P. (Name von der Redaktion geändert) ruft mich auch nicht alle 2 Wochen an, um mir zu sagen wie scharf der Urlaub 1998 auf Mallorca war. Wie oft wir es Nachts am Strand…und warum? Ganz einfach. Weil ich im Hier und Heute lebe. So wie Natascha auch. Ich weiß um all die schönen – und leider auch unschönen – Dinge meines Lebens und meines Fan-Daseins Bescheid. Sie sind in meinem Kopf verankert, man muss mich nicht pausenlos darauf hinweisen. Noch einmal: Die Amerika-Reise des RWE 1954 war bahnbrechend, bis heute einmalig und wird nie vergessen werden. Aber bei allem gebührenden Respekt – ich wünsche mir, dass wir uns mehr mit der Gegenwart beschäftigen, mit dem Jahr 2014. In dem wir leben. Rot-Weisser Rahnsinn gut und schön, aber seit letzten Freitag sind wir, tabellarisch gesehen, nur noch die Nummer 2 im Essener Fußball. Und das beschäftigt mich aktuell mehr, als eine Flugreise vor 60 Jahren.

Wer nur in seiner Vergangenheit lebt, ist bereits tot; wer die Gegenwart lebt, hat das Leben begriffen; wer nur an die Zukunft denkt, ist geistig noch nicht geboren.  Willy Meurer

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