Finale, oho. Finale, ohohoho

Morgen ist es wieder soweit, ganz Deutschland (totale Übertreibung) fiebert dem DFB-Pokalfinale entgegen. In diesem Jahr kommen beim geneigten RWE-Fan natürlich Erinnerungen hoch, schließlich feierte Rot-Weiss vor 20 Jahren mit dem Erreichen des Finales den letzten Erfolg seiner Vereinsgeschichte. Natürlich, auch der sofortige Aufstieg nach der Insolvenz war zum Beispiel ein Erfolg, aber eben ein regionaler, kein bundesweiter. Erfolge zieren einen Briefkopf.

Ich war damals nicht in Berlin. Ein vorentscheidendes Medenspiel meines Tennisclubs stand an, und ich konnte meine Mitspieler nicht im Stich lassen (nochmal für alle Fußball-Nerds zum Mitschreiben: Tennis ist keine Sportart für Weicheier, wer auch nur einmal 3 Sätze über 2,5 Stunden bei 32° ohne den Schatten einer Tribüne gespielt hat, der weiß was er getan hat). Außerdem war ich Anfang 20 und total pleite, der ganze Trip wäre auch finanziell schwierig bis unmöglich gewesen. Also saß ich nach meinem Einzel (verloren) kurz vor Anpfiff im Vereinsheim vor der Kiste, um zu erleben wie Dieter Kürten im Vorbericht über Bremen, Berlin, Dieter Kürten, Bremen und Berlin redete. Ja, das ZDF war sich schon im Vorfeld sicher. Hier kann es nur einen Gewinner geben, also warum sich mit dem sicheren Verlierer beschäftigen. Mit dem Zweiten sieht man besser…nicht.

Auch nach Anpfiff wurde die Laune nicht wirklich besser, denn von Beginn an drückte Bremen, der RWE stand quasi nur vor oder im eigenen Strafraum. Schnell stand es 0:2. Also, ein paar Bier ordern, um den aufkommenden Frust zu unterdrücken. André, wirklich noch ein Bier? Nachher sind die Doppel, du musst eventuell noch mal ran.Mach‘ dir mal keine Sorgen. Ich weiß was ich tue. Und das wussten dann auch die Spieler des RWE, denn pünktlich zur zweiten Halbzeit fiel ihnen dann doch noch ein, warum sie in Berlin sind. Ein Endspiel bestreiten, sich den Arsch aufreißen, und wenn schon untergehen, dann wenigstens mit fliegenden Fahnen. Und wie sie auf einmal flogen, Bangoura gelang der Anschlusstreffer zum 1:2, und im Anschluss spielte nur noch der RWE. Bremen war sichtlich geschockt. Geschockt war auch der Zapfer am Tresen, denn wie das beim Fußball nun mal so ist, man trinkt wenn es nicht läuft, und man trinkt wenn es läuft. Um die 10 Minuten vor Spielende, und ca. 60 vor meinem eventuellen Einsatz im Doppel, hatte ich etwa 7 Bier intus. 0,3er. Freitagabends in der Kneipe, kein Problem, Samstagnachmittag auf dem Tennisplatz schon. Aber egal, darüber würde ich mir Gedanken machen wenn es soweit ist. Immerhin steht der RWE kurz vor der Verlängerung, dass Dondera noch einen reinmacht war ausgemachte Sache. So sicher wie das Amen in der Kirche. Also noch ein Frischgezapftes, kurzer Blick vom Tresen zum Fernseher…Bäääääm. 88. Minute, Elfer für Werder. Wynton Rufer, Tor, vorbei.

Vom Rest des Tages weiß ich nicht mehr wirklich viel. Mein Doppel habe ich erstaunlicherweise gewonnen, alle anderen Erinnerungsfetzen bestehen aus Kümmerling-Kreisen, Weizenbier aus einem 2-Liter-Glas und Tanzen auf den Tischen zu Billy Joel und den Stones. Denn wir schafften den vorzeitigen Klassenerhalt. Aber als ich am nächsten Mittag wach wurde, war mein erster Gedanke – RWE hat verloren. Nicht, dass ich mit meiner Mannschaft die Klasse gehalten habe.

Rückblick
Rückblick II

Advertisements

Deine Meinung?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s