Aussage und Wirkung

„Wir sind auf einem Sponsorenabend, da muss man auch ehrlich sagen, dass Geld Tore schießt, keine Leidenschaft und Tradition.“

RWE-Trainer Marc Fascher, anlässlich des Sponsorenabends am 26.03.2014 im Stadion Essen.

Ein Satz, den man nicht vorschnell, ohne ihn chirurgisch zu sezieren, beurteilen sollte. Liest man ihn zum ersten Mal, läuft einem irgendwie ein kalter Schauer über den Rücken. Leidenschaft schießt keine Tore. Das sticht einem sofort ins Auge, wie der Eispickel einer Ex-Freundin in den Rücken, nach einem spontanen Beischlaf und anschließendem Streit unter Alkoholeinfluss. Leidenschaft schießt keine Tore? Was zur Hölle denn dann? Nur Geld, die schnelle Kohle, kurzfristig rausgehauener Mammon ohne nachhaltige Wirkung?

Ich denke, Marc Fascher hat die richtige Intention, nur ist die Formulierung, nun ja, etwas in die Hose gegangen. Von Tradition kann man sich nichts kaufen, dafür, dass wir vor rund 60 Jahren Deutscher Meister und Pokalsieger waren, gibt einem keine Bank dieser Welt auch nur Drei Euro Fuffzich. Tradition lebt im Herzen, da wo sie hingehört. Und dort ist sie unbezahlbar. Auch „Waldis wilde Fußballkerle“ sind Geschichte, wenn auch neuere, aber eben auch vorbei. Ein Traum von einer Mannschaft, zumindest in den ersten beiden Jahren. Aber eben auch kein Team, welches in der Regionalliga ganz oben, oder gar in Liga 3 hätte bestehen können. Genau wie der aktuelle Kader.

Und deshalb denke, nein hoffe ich, dass Marc Fascher mit seiner Aussage folgendes meint: Dass für die nächste Saison eine Mannschaft auf die Beine gestellt wird, natürlich weiterhin im Rahmen des vorhandenen Etats, die eine gesunde Mischung darstellt. Erfahrene, gestandene Spieler mit Drittligaerfahrung, Spieler aus diesem Kader, die sich noch bis Saisonende empfehlen können, sowie Talenten aus der eigenen Jugend. Die Vereinsphilosophie, auf junge und lernfähige Spieler zu setzen, ist oder vielmehr war schön und gut. Ob damit aber in naher Zukunft ein Aufstieg hätte realisiert werden können, ist mehr als zweifelhaft. Denn, und so ungerecht ist die Fußballwelt nun einmal, Geld schießt meistens tatsächlich Tore. Und wenn man Geld, Tradition und Leidenschaft in einer heiligen Dreifaltigkeit zusammenbringen kann, ich bin dabei. Die Mischung macht’s.

Last but not least – es war ein Sponsorenabend. Natürlich muss er bei so einem Anlass etwas in dieser Richtung sagen. Denn wozu dient ein Sponsorenabend? Genau. Geld.

In memoriam. Waldis wilde Fußballkerle

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2 Gedanken zu “Aussage und Wirkung

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