Selbstverständnis der Kolonialherren

Lieber DFB.

Du bist ja bekannt dafür, ab und an etwas arrogant und feudal daherzukommen. Dazu selbstverliebt, gerne die Realität und die Themen unserer Zeit verkennend. Oder einfach nur ignorierend. Und immer schnell bei der Hand, wenn es darum geht merkwürdige Urteile zu fällen oder jeden Scheiß der UEFA/FIFA abzunicken. Für den größten Sportverband der Welt, auf jeden Fall eine oft recht peinliche und unangenehme Art der Selbstdarstellung. Und ich fange jetzt noch nicht mal damit an, was du ’71 im Zuge des Bundesligaskandals dem RWE angetan hast.

Doch was du jetzt planst, das ist das absolut Aberwitzigste was ich jemals von dir gehört habe. Du bist wirklich dabei, dir für die WM nächstes Jahr in Brasilien eine eigene Wohnlandschaft errichten zu lassen? Bestehend aus 14 zweigeschossigen Wohnhäusern, plus Nebengeräusche, auf rund 15.000 Quadratmetern? Gut, finanziert wird das ganze durch externe Firmen und Sponsoren. Aber hast du mal daran gedacht, wie lächerlich das ist? Und wie das rüberkommt? Im Ausland, vor allem im Gastgeberland? Deine Spieler sollen Fußball spielen, möglichst erfolgreich, vielleicht den Titel gewinnen. Und nicht so viel Zucker in den Arsch geblasen bekommen, dass jeder für sich eine eigene Raffinerie sein kann. Sag mal, geht’s noch? Was passte dir denn nicht an den Hotels, die du besucht hast? Keine goldenen Wasserhähne? Keine Kinderbetten für Philipp Lahm? Keine Hüpfburg für Lukas Podolski? Waren nicht genug Diener und Sklaven vor Ort, die den hohen Herren Bierhoff und Löw jeden scheiß Wunsch von den Lippen abgelesen haben? Erzähle mir nicht, wirklich nicht, dass es in Brasilien keine geeigneten Anlagen gibt. Natürlich liegt gerade in den Großstädten noch einiges im Argen, aber abseits dieser gibt es ausreichend Hotels und Resorts von mehr als gehobenem Standard.

Kurz gesagt, deine Arroganz Land und Leuten gegenüber ist nicht zu ertragen. Demut ist ein Fremdwort für dich. Ach und weißt du noch, Weltmeister wird nicht, wer seinen Spielern die größtmögliche Komfortzone bietet. Schlag nach bei Herberger, Schön und Beckenbauer. Und jetzt sei so nett, beziehe dein ach so tolles Hello-Kitty-Dreamhouse, und scheide nach der Vorrunde aus. Ich kann dich nicht mehr ertragen. Vereinsfußball ist sowieso das einzig Wahre.

P.S.: Das Quartier soll „Campo Bahia“ heißen. Ich empfehle „Germania“, in Anlehnung an den Namen der brasilianischen Hauptstadt. Und es klingt doch so schön Deutsch, in Santo André an der brasilianischen Atlantikküste. Saúde.

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2 Gedanken zu “Selbstverständnis der Kolonialherren

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