Blond kickt gut


Ein schwieriges Wochenende, was Fußball betrifft. Der RWE-Auftakt gegen Viktoria Köln ist bekanntermaßen ins Waser gefallen (running gag #247), diverse Spiele der 2. und 3. Liga versprachen zwar im Ansatz Spannung, aber dann doch nicht genug, um sich bei dem Wetter in eine stickige Sky-Kneipe zu setzen und zu transpirieren. Der ominöse Supercup, die gefühlt 46. Begegnung zwischen Dortmund und Bayern in den letzten 9½ Wochen, liegt vom Spannungsfaktor her irgendwo zwischen einer 2 Monate alten Sport-Bild und Nacktbildern von Claudia Roth. Und ist eine Schande für jeden ernsthaften Vereins-Briefkopf. Also, todesmutig und quasi als eine Art Selbstversuch, Frauenfußball.

Immerhin eine EM. Und ein Finale. Meine bisherigen Erfahrungen mit dieser Splittergruppen-Sportart beschränkten sich auf das WM-Finale 2003, sowie einem Besuch der ruhmreichen SGS Essen-Schonnebeck, vor 3 oder 4 Jahren. Beide Ereignisse waren jedoch von erhöhtem Bierkonsum geprägt, so dass sie als abschließende und endgültige Bewertung nicht infrage kamen. Der erste Schreck gleich zu Beginn des Spiels, Kommentator – Bernd Schmelzer. Der Typ Reporter, der es fertig bringt, 90 Minuten plus Nachspielzeit ausschließlich mit abgedroschenen Phrasen und uralten Witzen zu füttern. Sollte man vielleicht nicht doch…nein. Standhaft bleiben. Nia Künzer sieht ja ziemlich schick aus. Und, siehe da, legt man erst mal ein paar Vorurteile ad acta, ist es durchaus ansehnlich. Gewisse Dinge darf man eben nicht erwarten. Flugkopfbälle knapp oberhalb der Grasnarbe, Distanzschüsse aus 30 Metern mit 135 km/h und Blutgrätschen mit 20 Meter Anlauf bis auf das Knochengewebe sieht man bei Frauen selten. Und, ganz ehrlich, eigentlich kann man darauf auch mal verzichten.

Und wer das Spiel ebenfalls gesehen hat, dem wird eines aufgefallen sein. Frauen heulen nicht so schnell rum. Wird ein Püppi wie Özil vom Gegenspieler leicht touchiert, dann schlägt er 4-5 Rollen auf dem Rasen, fasst sich mit schmerverzerrtem Gesicht an den Kopf (obwohl er am Knie gefoult wurde) und macht ganz allgemein den Eindruck einer recht kurzen Lebensrestlaufzeit. Um nach 30 Sekunden wieder loszusprinten, als ob nichts gewesen wäre. Es war ja auch nichts, Lusche. Kriegt eine Frau was auf die Knochen, verbringt sie lediglich 5-10 Sekunden liegend, wischt sich kurz mit der Hand durchs Gesicht und spielt dann unaufgeregt weiter. Warum? Ganz einfach. Frauen gebären Babys. Frauen kennen Schmerzen, die wir Männer uns noch nicht einmal vorstellen können. Es ist unter ihrer Würde, wegen einem kleinen Schubser den sterbenden Schwan zu spielen. Dafür gibt es Püppis wie Özil. Also, mein Selbstversuch war ganz angenehm. Von kleinen Mängeln in Sachen Ballfertigkeit und Torabschluss mal abgesehen. Und von der Schiedsrichterin, die man kurz vor Spielbeginn wohl als komplett Ahnungslose aus einer anderen Sportart verpflichtet hat. Wir sehen uns wieder, beim nächsten Finale.

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