Die Lübeck-Situation, oder – Wie mein Verein mich bescheisst


In „Pulp Fiction“, dem nach Expertenmeinung besten Film von Quentin Tarantino (ist er nicht, „Reservoir Dogs“ ist besser), kommt es zur sogenannten Bonnie-Situation. Filmfans haben jetzt natürlich sofort Ezekiel 25:17 im Kopf und Samuel L. Jackson vor Augen, wie er diesen wunderbaren Bibeltext aufsagt, sich dabei herrlich in Wut und dann Rage redet und schlussendlich mit John Travolta die Jungs, die den großen Mann über’s Ohr hauen wollten, gnadenlos über den Haufen schießt. Wut, Rage, tödlich. 3 Begriffe, die mir in den Sinn kommen wenn ich an den 31. Mai 2008 denke. Die Lübeck-Situation.

Vor gut einem Jahr erst aus Liga 2 gestürzt, startete man mehr schlecht als recht in eine Saison, in der es um sehr viel ging, nämlich die Qualifikation für die neu erschaffene 3. Liga. Stolperstart, durchwachsene Spiele auf enttäuschende, RWE wie so oft in dieser Zeit. Dann aber ein formidabler Endspurt, vorerst gekrönt mit einem 1:0 Sieg am vorletzten Spieltag in Magdeburg. Juhu! Das sollte es doch gewesen sein mit der Quali, denn am letzten Spieltag zuhause gegen den VfB Lübeck, für den es nur noch um die goldene Bratwurst ging, war ein Sieg so sicher und fest eingeplant wie Post vom Finanzamt. Am Arsch. Eine völlig verunsicherte und konsternierte Essener Mannschaft schleppte sich müde und fast willenlos (Wird man eigentlich willenlos, wenn man in Gedanken schon bei seinem neuen Verein ist? Möchte man am Ende überhaupt noch gewinnen? Oder spielt es gar keine Rolle mehr?) über den Platz, warf in den letzten Minuten für das Publikum alles nach vorne und fing sich, natürlich, es musste ja so kommen, in der 88. Minute das 0:1. Knock out. Wut, Rage, tödlich. Die Beine wackelig, sank ich auf die Stufen, die Lebensabschnittsgefährtin wuschelte mir tröstend den Kopf (dafür hätte ich sie sonstwas können), und dann passierte etwas, was sich später nur noch bei der Schlussszene von „Gran Torino“ ereignen sollte. Ich weinte. Nicht laut und quengelig, wie ein kleines, dickes, hysterisches Kind, das an der Supermarktkasse von Mami keinen bunten Lolli kriegt. Nein, ehrlich und leise vor mich hin, zerbrochen an der Enttäuschung, versuchend es wegzublinzeln, ohne Erfolg. Peinlich? Vielleicht. Aber als ich wieder aufsah, war ich damit nicht allein. Wir wurden alle getäuscht.

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