Von Gruppenzwang und Lemmingen

Mein Name ist André und ich trinke Bier. Neben Wein. Und ich bin Fußballfan, in der schönsten Stadt des Ruhrgebiets. Nein, nicht Hattingen. Meine Stadt heißt Essen, mein Verein Rot-Weiss. Schreiben Sie niemals Weiß, dann tötet man Sie. Oder weist Sie in eine psychiatrische Klinik ein, irgendwo in der Diaspora von Gelsenkirchen.

Oh, Gelsenkirchen. Auch dieses Unwort bitte niemals aussprechen, niederschreiben oder auch nur denken. Sie können sich denken warum. Gibt es denn eigentlich Wörter, die in Essen gut gelitten sind? Natürlich. Sagen Sie Stauder. Das regional verankerte Bier der Essener Fußballfans. Nicht nur einfach ein Bier, eine Weltanschauung. Sagen Sie es nicht nur, trinken Sie es auch. Bei jeder Gelegenheit, in jedem Alter und zu jeder Uhrzeit. Meinetwegen auch morgens um 7 am Essener Hauptbahnhof. Man sieht es Ihnen nach, solange Sie kein unfrisches Veltins in der Hand haben. Wenn Sie in einem sozialen Netzwerk unterwegs sind, geben Sie sich einen entsprechenden Fakenamen. Mik von Stauder, Staudi Assindia (über Assindia reden wir später), Baron von Stauder zu RWE. Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Bekennen Sie sich, stehen Sie zu Ihrer Stadt, Ihrem Verein und Ihrer ortsansässigen Brauerei. Empfehlen Sie Stauder Ihren Freunden, machen Sie Fotos von Stauder-Flaschen vorm Stadion und errichten Sie bei sich zu Hause einen kleinen Altar aus Kronkorken.

Es sei denn…was sollen Sie tun, wenn Sie kein Pils mögen? Oder einfach nur braufrisches Düsseldorfer Altbier vorziehen? Dann, mein Freund, betreten Sie einen schmalen Grat. Sie haben jetzt tatsächlich ein Problem. Dass es im Stadion kein Alt gibt, geschenkt. Aber, in Gottes Namen, behalten Sie Ihre Vorliebe für sich. Allein die Tatsache, dass man Düsseldorfer Altbier mit dem dortigen Fußballverein in Verbindung bringt, befördert Sie automatisch in den Status eines Leprapatienten. Krank, ausgestoßen und unausgesprochen verachtet. Sie sind kein Essener, Sie verraten Ihre Stadt, Ihren Verein und sind ähnlich gern gesehen wie weiland Osama Bin Laden auf einem Flughafen. Also schweigen Sie, genießen Sie Ihr herrlich erfrischendes Uerige, Schumacher oder Füchschen für sich, wenn möglich außerhalb eines Radius‘ von 10 km rund um das Stadion Essen. Sollte man Sie doch erwischen, sagen Sie einfach „Campino hats mir zugesteckt“.

An Tagen wie diesen.

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