Der Fluch von Mallorca, oder Liebesgrüße aus Gelsenkirchen

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Tatsächlich ist es eine Legende, dass Urlaube auf Mallorca Ende der 90er so schlimm waren, wie sie in sensationsgeilen Printmedien und TV-Sendern gerne dargestellt wurden. Sie waren weitaus schlimmer. Natürlich nicht à la Balneario-6-Manier, diesen spaßigen Klassen-, Abschluss-, Kegelverein- und Würfelclubfahrten für degenerierte Einzeller. Trinken mit Niveau war und ist wichtig. Das heißt, statt Industrie-Wodka aus Eimern der gute, alte Havana Club, angereichert mit einer winzigen Einheit Coke. Nicht zu viel von der Cola! Willst du mich vergiften?, und man wusste, ohne auf die Uhr zu sehen, es ist ca. 11:30 am Morgen. Auch war es abends in der Disse (Paladium in Paguera, erfahrene Mallefans kennen den Laden) manchmal schwer, der erstaunlicherweise einheimischen Thekenkraft das richtige Verhältnis zwischen Rum und Coke zu erklären.

So auch am letzten Abend, als plötzlich wie aus dem Nichts (für Volltrunkene kommt immer alles aus dem Nichts) diese Frau neben einem saß. Ein Balkon, ähnlich dem des Frankfurter Rathauses, Barbara-Schöneberger-Gedächtnishintern und Beine tatsächlich bis zum Boden, unterbrochen nur durch Stilettos von der Länge eines handelsüblichen Schullineals. Bingo. Waren die 9 Abende davor eigentlich nur darauf angelegt, mit den Kollegen kiloweise Paella zu vertilgen, sämtliche Speisekarten mit „Nur der RWE!“ zu verzieren und zu sehen wie einen nach dem anderen der plötzliche Havana-Tod ereilt, galt nun die Devise – Feuer frei. Zwischengas, sofort. Was trotz des Verlustes von 6-7 Buchstaben und einer etwas wankenden Selbstdarstellung auch gelang…

Wieder zuhause, nur ein paar Tage später, Klingelton, SMS. Hallo Süßer. Erinnerst du dich noch an mich? Wie? Was? Nein. Urlaub? Ach so. Da hatte man also, betrunken wie man war, nicht nur AIDS eine richtig gute Chance gegeben, sondern auch Madame die Handynummer. Chapeau, André. Süßer, willst du Freitag Abend vorbeikommen?Äh, wo wohnst du eigentlich?Gelsenkirchen-Beckhausen, von meinem Schlafzimmerfenster aus kann man die Schalke-Arena sehen.

Ich kam und blieb 4 Jahre.

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2 Gedanken zu “Der Fluch von Mallorca, oder Liebesgrüße aus Gelsenkirchen

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